˄
Erfahrungen und persönliche Eindrücke
Porträts unserer Absolventen 2017

Qualifiziert für den Quereinstieg – mit Job und Kind

C QualitätsmanagementK Juni 2017
Kurzporträt
Name:
Susanne Kadagies
Alter:
50
Wohnort:
Hameln
Erlernter Beruf:
Friseurin
Arbeitgeber:
Gebäudereinigung Engel GmbH Hameln
Aufstiegsziel:
Ein umfangreiches Programm hat sich Susanne Kadagies ausgesucht. Die 50-Jährige absolviert fünf Zertifikatslehrgänge am TA Bildungszentrum: Fachkraft für Buchführung IHK, Datenschutzbeauftragte BDSG, Beauftragter für das Qualitätsmanagement IHK BDSG, Umwelt-/Energieauditor und Sicherheitsbeauftragter. Danach will sie im Objektmanagement durchstarten. Eine persönliche und organisatorische Herausforderung – denn sie arbeitet während der Vollzeit-Lehrgänge normal weiter und zieht alleine ihre Tochter groß.
Der Tag von Susanne Kadagies beginnt früh, sehr früh. Um 4 Uhr steht sie auf und arbeitet im Homeoffice ein paar Stunden in ihrem Job als Sekretärin im Objektmanagement, bevor ihre Tochter aufwacht. Dann dreht sich für die alleinerziehende Mutter von drei Töchtern (29, 21, 8) alles um die Jüngste und ihr gemeinsames Morgenritual – Zeit, die Susanne Kadagies sehr wichtig ist. Darum schätzt sie es, sich ihre Arbeitsstunden frei einteilen zu können. „Wenn es möglich ist, hole ich meine Tochter um 16 Uhr von der Ganztagsschule ab. Die Arbeitszeit hole ich abends nach, wenn die Kleine im Bett ist.“
Die flexible Arbeitszeitgestaltung kommt Susanne Kadagies auch bei ihrem Weiterbildungsmarathon am TA Bildungszentrum zugute. So kann sie die Lehrgänge in Vollzeit absolvieren und die Arbeitsstunden als Sekretärin drum herum legen. Die kurzen Nächte, die sie dadurch hat, machen ihr nichts aus. „Mir reichen vier bis fünf Stunden Schlaf.“ Außerdem nutzt Susanne Kadagies ihren gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub – der Jahresurlaub ist für die Schulferien ihrer jüngsten Tochter verplant.

Um voranzukommen, muss man selbst die Initiative ergreifen.

In ihrem Job kümmert sich die gelernte Friseurin um das Facility Management für Gebäudeinstandhaltung. Ihr Weg dorthin führte über verschiedene Tätigkeiten in unterschiedlichen Branchen: Nach der Friseur-Ausbildung lernte Susanne Kadagies ihren ersten Ehemann kennen, heiratete und bekam zwei Töchter. Sie schulte um, machte eine Ausbildung zur Krankenpflegerin und sorgte nach der Scheidung alleine für ihre beiden Kinder. Mit ihrem neuen Lebensgefährten eröffnete sie eine Kfz-Werkstatt und lernte das Handwerk von der Pike auf. Nach zehn Jahren Selbstständigkeit kehrte sie als Alleinerziehende für ein paar Jahre in den Pflegeberuf zurück. Das Jobangebot als Sekretärin im Objektmanagement vor sechs Jahren kam eher zufällig.
Heute sorgt Susanne Kadagies als Angestellte der Firma Gebäudereinigung Engel GmbH für die Gebäudeinstandhaltung des BHW mit rund 3.400 Angestellten. Als eine von 14 Mitarbeitern kümmert sie sich in Hameln um ein Areal von ca. 79.000 Quadratmetern Hauptfläche, verteilt auf zwei Gebäude mit acht und fünf Stockwerken. Hinzu kommen 40.000 Quadratmeter Keller und Nebengelass. Auf dieser Fläche umfasst Susanne Kadagies’ Aufgabenbereich nicht nur Büro- und Konferenzräume, sondern beispielsweise auch die Versorgungsanlagen des Gebäudes, Kantinen, Werkstätten und die Werksfeuerwehr. Dafür beauftragt sie externe Firmen aller notwendigen Gewerke – vom Elektriker bis zur Reinigungskraft – und koordiniert deren Einsätze. Darüber hinaus ist sie auch für das Gebäudemanagement der rund 220 Geschäftsstellen in Norddeutschland zuständig, hat unter anderem Einsätze in Hamburg, Bremen, Berlin und Leipzig.

Fachliches und persönliches Netzwerk aufgebaut

Mit den Fortbildungen strebt sie eine neue Stelle im Objektmanagement an. „Dafür reicht meine jetzige Qualifikation nicht aus.“ Ihr Arbeitgeber unterstützt ihr Engagement. Die passenden Weiterbildungsangebote fand die Wahl-Hamelnerin direkt vor der Haustür am TA Bildungszentrum – und zwar gleich fünf, verteilt auf mehrere Monate. Zwei davon hat sie bereits erfolgreich absolviert.
Dabei sei die Rückkehr in den Vollzeit-Unterricht die größte Umstellung gewesen. „Die ersten Tage waren hart“, erinnert sich Susanne Kadagies an den Lehrgangsstart zur Fachkraft für Buchführung IHK. Aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase habe ihr die Weiterbildung viel Spaß gemacht. „Der Lehrgang war gut strukturiert und die Dozenten haben den Stoff gut vermittelt.“ Den zweiten Kurs zur Datenschutzbeauftragten hat Susanne Kadagies besonders positiv in Erinnerung: „Die Gruppe war super. Alle waren engagiert und haben ordentlich diskutiert.“ Den Kontakt wollen die Kursteilnehmer aufrechterhalten. „So können wir uns fachlich austauschen, Fragen klären und neues Wissen teilen.“

Immer selbst die Initiative ergriffen

Job und Vollzeit-Weiterbildung meistert Susanne Kadagies vorbildlich, so wie sie viele andere Herausforderungen in ihrem Leben gemeistert hat: mit ihrem fröhlichen Naturell und einer gesunden Portion Optimismus. „Ich war schon immer ein Kämpfer, hatte den Drang nach vorne zu kommen, nicht aufzugeben.“ Eine Einstellung, die sie während ihrer Zeit als aktive Handball-Torhüterin in der 2. Bundesliga verinnerlicht hat. „Den Kopf in den Sand stecken bringt nichts, und unter schlechter Laune leidet man selbst am Ende oft am meisten.“
Anderen Alleinerziehenden in einer ähnlichen Situation will die gebürtige Bad Harzburgerin Mut machen: „Um voranzukommen und etwas zu verändern, muss man immer weitermachen und selbst die Initiative ergreifen.“ Das Wohl ihrer Kinder stand für Susanne Kadagies dabei immer an erster Stelle. Dafür bekommt sie heute bei der Betreuung ihrer jüngsten auch die Unterstützung ihrer beiden erwachsenen Töchter – eine große Kraftquelle, aus der sie schöpfen kann.
 
Susanne Kadagies (50) erwirbt am TA Bildungszentrum wertvolles Fachwissen für eine neue Stelle im Objektmanagement.