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Erfahrungen und persönliche Eindrücke
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Mit dem Küchenmeister-Titel den Traumberuf leben

C Wirtschaft & DienstleistungK März 2018
Küchenmeister IHK TA Hameln, Denzi Ulutas Kurzporträt
Name:
Deniz Ulutas
Alter:
36
Wohnort:
Bremen
Erlernter Beruf:
Koch
Aufstiegsziel:
Sechs Jahre ist es her, als eine Diagnose alles änderte. Seitdem kann Deniz Ulutas seinen Beruf als Koch nicht mehr richtig ausüben. Beruflich und auch privat musste er sich den Umständen anpassen, die ihm seine Erkrankung diktiert. Mit der Weiterbildung zum Küchenmeister IHK am TA Bildungszentrum hat der gebürtige Bremer sein Leben jetzt wieder selbst in die Hand genommen – und eine große Chance genutzt, seine Leidenschaft zur Arbeit in der Gastronomie nicht aufzugeben.
Der heute 36-Jährige hat eine chronische Darmerkrankung, die ihn jederzeit treffen kann. Ein Auslöser dafür ist Stress – und den bringt die Arbeit in der Gastronomie oftmals mit sich. „Die Erkenntnis hat mich damals sehr demotiviert. Ich hatte kein Ziel mehr, keinen Plan vor Augen, wusste nicht damit umzugehen.“ Die Angst vor Schüben oder langfristigen Folgen belastete ihn stark. „Ich habe mir die Frage gestellt, wie ich jetzt weitermachen soll.“
Hinwerfen will Deniz heute nicht mehr. Stattdessen ist er zu der Entscheidung gelangt, sein Wissen weiterzugeben. Er will Berufsausbilder werden. Eine Idee, die neuen Mut brachte. „Darüber hinaus möchte ich mich in meinem Beruf weiterentwickeln, mir noch mehr Kenntnisse und Erfahrungen aneignen und diese weitervermitteln.“ Logischer Schritt war daher die Qualifikation zum Küchenmeister IHK – den hochwertigen gastronomischen Abschluss auf höchstem Niveau. „Mein zukünftiger Berufsalltag sollte mit weniger Stress verbunden sein und trotzdem noch Spaß machen“, sagt Deniz.

Der Studiengang
ist super interessant.

Er ist nicht allein mit seiner Erkrankung. Das erfährt er, als er von der Stiftung Darmerkrankungen hört. Die gemeinnützige Organisation engagiert sich für Betroffene, ermöglicht Aus- und Weiterbildungen, erforscht Krankheitsursachen und klärt die Öffentlichkeit auf. Und sie vergibt Stipendien. Deniz bewirbt sich dafür. Er bekommt den Zuschlag und die Kostenerstattung. „Darüber war und bin ich natürlich unglaublich froh – das hat mich noch mehr motiviert, den Vollzeitlehrgang zu machen und meinen Weg zu gehen.“ Ein Kameramann begleitet ihn später beim Studium am TA Bildungszentrum, um einen Film für das Stiftungsfest zu machen. Die Spender sollen sehen, dass ihr Geld Gutes bewirkt.
Und der Studiengang? „Der ist super interessant“, sagt Deniz. Vor allem Unternehmensführung, Personalwesen und Betriebswirtschaft fesseln den 36-Jährigen. Im praktischen Teil kommen die angehenden Meister mit ganz unterschiedlichen Themen in Berührung, von der raffinierten Vorspeise bis zum ausgefallenen Dessert. Am Prüfungstag muss jeder ein anspruchsvolles Fünf-Gänge-Menü für sechs Personen punktgenau zubereiten, die Speisenfolge schreiben, den Wareneinsatz kalkulieren.

Als Ausbilder ein Vorbild sein

Viel Lob findet Deniz für seine Dozenten. „Sie gehen immer persönlich auf dich ein, nehmen sich die notwendige Zeit.“ Im Lehrgang kommen Köche aus ganz Deutschland zusammen, die Großes erreichen wollen. „Wir tauschen unsere Erfahrungen aus und haben viel Spaß.“ Deniz sagt, dass er sich am TA Bildungszentrum gut aufgehoben fühlt. „Ich bin froh, dass ich hier bin – solche Möglichkeiten muss man wahrnehmen.“
Auch wenn die Krankheit unheilbar ist und ihn immer begleiten wird – Deniz hat gelernt, so gut wie möglich mit ihr umzugehen. Sie zu akzeptieren, aber nicht sein Leben bestimmen zu lassen. Er ist einer von über 300.000 Menschen in Deutschland, die betroffen sind und ständig auch mit Tabuisierungen und Unverständnis anderer umgehen müssen. Als Küchenmeister und Ausbilder wird Deniz Ulutas eine Vorbildfunktion einnehmen. „Ich möchte das Beste aus dem machen, was gegeben ist. Jeder sollte seine Chancen nutzen.“
 
Deniz Ulutas (36) beim Praxisstudium zum Küchenmeister IHK. Der TA-Absolvent hat sich für eine Stiftung filmen lassen.